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Bottroper Geschichte - Das Original
Letzte Aktualisierung: 19.05.2010


Die tabellarische Chronik der Stadt Bottrop wurde von mir im Oktober 2000 unter Zuhilfenahme folgender Hauptquellen zusammengestellt und wird seitdem ständig ergänzt und bearbeitet. Für Ergänzungen und Fehlerkorrekturen bin ich sehr dankbar.

Dr. Schetter: "Festschrift 23.02.1953 zur Großstadtwerdung Bottrops", Stadt Bottrop, 1953
Willy Jaeger: "Bottrop Gestern", Gronenberg-Verlag, 1979
Karl Schophaus: "Zur Geschichte von Bottrop", Historische Gesellschaft Bottrop, Band 3, 1983
Joachim Bolik: "Das alte Bottrop In Bildern", Gronenberg-Verlag, 1986

Manfred Bourrée: "Großer Kultur- und Freizeitführer Ruhrgebiet: Band 2 - Bottrop", Verlag Schürmann & Klagges, 1988
Ernst Günther Schweizer / Wilfried Dummat: "Bottrop - Wirtschaftswunderjahre. Die 50er und 60er Jahre", Wartberg Verlag, 1996

Karl Eckart / Oliver Neuhoff: "Bottrop im sozioökonomischen Wandlungsprozeß seit dem 2. Weltkrieg", Historische Gesellschaft Bottrop, Band 24, 1999
Sitzungsvorlage TOP 3 (Bodendenkmal Kommende Welheim) des Ausschusses für Stadtplanung und Umweltschutz vom 15.03.2005

Vestische Jahrbücher, Vestische Kalender

Internet-Seite der Stadt Bottrop http://www.bottrop.de

Weitere Informationen kamen vor allem aus den Beständen der Stadtbücherei Bottrop, des Stadtarchivs Bottrop und der Sammlung Wilfried Krix


In eigener Sache: Mir ist inzwischen bekannt, das die folgende Aufstellung mittlerweile auf einem halben Dutzend anderer Webseiten zu finden ist, teilweise 1:1 kopiert und ohne Nennung der Quelle. Dazu erkläre ich, das ich der Urheber dieser Liste bin und diese seit Oktober 2000 im Netz steht und seitdem von mir aktualisiert wird. Die Informationen, die ich hier per Recherce aus Büchern, Archiven etc. zusammengetragen habe, sind natürlich öffentlich, die Formulierungen und Gestaltung allerdings nicht.

Es sollte eigentlich jedem klar sein - vor allem anderen Webmastern - wie viel Arbeit in der Recherce steckt. Ebenso sollte klar sein, das man Quellen ordnungsgemäß zitieren muss. Was bei gedruckten Publikationen längst Standard ist, scheint im Web noch nicht allen klar zu sein. Daher folgender Hinweis:

Bei Nutzung der Informationen aus dieser Website ist die Quelle - www.krix-s.de/bottrop.htm - zu nennen. Übernahme von Formulierungen oder Teilen der Aufstellung in andere Publikationen (egal ob Web oder gedruckt) ist möglich, bedürfen aber neben der Quellennennung die vorherige Genehmigung des Autors.

Der Sinn und Zweck dieser Aufstellung ist die Veröffentlichung und Archivierung dieser Informationen zur Stadtgeschichte. Daher steht der Verbreitung in anderen Publikationen im Prinzip nichts im Wege - allerdings unter Wahrung der Urherberrechte.

Stefan Krix, März 2006

 

Informationen aus dieser Website wurden bei der Erstellung der hervorragenden Festschrift "Leben mit Gesang - 125 Jahre Tradition" des Männer Quartett 1881 Bottrop e.V. benutzt, die 2006 anlässlich des 125jährigen Bestehens veröffentlicht wurden. Mehr Informationen zu der Festschrift hier.


 

Geschichtete und Geschichten
(zusammengestellt von Stefan Krix)

 

11. Jahrhundert

1032
Die 'Kirche in Hillen', das Dorf Kirchhellen wird erstmalig urkundlich erwähnt


1092
Borgthorpe
wird erstmalig in den Besitzregistern des Klosters Werden erwähnt. Die Historiker streiten sich noch, ob es mit dem 58 Jahre später erwähnten Borthorpe identisch ist.

 

 

12. Jahrhundert

1150
Erste urkundliche Erwähnung von Borthorpe im Heberegister des Klosters Werden ('Liber privilegiorum mayor'). Die Namensbezeichnung weist auf ein besonders Gehöft hin (Bor = hochliegend, -thorpe = Gehöft).

Erste urkundliche Erwähnung
© Stadt Bottrop


1155
Das Kloster Deutz besitzt in Borthorpe eine abgabenpflichtige Kirche. Die erste Cyriakus-Kirche entsteht als Filialkapelle der Pfarrei Osterfeld. Damit wird aus der Streusiedlung ein Kirchspiel ("Kerspel Borthorpe"); die fünf Bauernschaften erhalten damit einen gemeinsamen Übernamen.


1162
Erstmalig gibt es urkundliche Hinweise auf die adelig-ritterlicher Herren zu Vondern.

 

 

13. Jahrhundert

ab 1200
Der älteste Teil der 'Alten Kirche' in Kirchhellen wird bis 1250 erbaut.


1207
Papst Innocenz III. bestätigt in einer Urkunde der Abtei Deutz ihren Gesamtbesitzstand; darunter wird auch Bottrop aufgelistet.


um 1230
Eberhard von Welheim tritt dem Deutschritterorden bei und vermacht ihm seinen Besitz.


1253
Gründung der Kommende Welheim als erste Kommende des Deutschritterordens in Westfalen. Sie besitzt den größten Grundbesitz im Umkreis.

 

 

14. Jahrhundert

1309
Mit Bruno von der Knippenburg taucht erstmalig der Name Knippenburg im Zusammenhang mit Bottrop auf.


um 1340
Die Knippenburg wird gebaut.


1355
Die ersten namentlich bekannten Bewohner von Haus Beck sind Henric von der Becke und sein Sohn Gerart.


1385
Die Knippenburger errichten eine eigene Kapelle vor ihrer Burg.


1396
Der Komtur der Kommende Welheim, Schweder von Vordern, zahlt den Herren von Kanap 60 Gulden für die Entnahme von Wasser aus der Emscher zum Betrieb einer Wassermühle.

 

15. Jahrhundert

1419
Die Kapelle der Knippenburg wird zu einer Kirche mit Turm erweitert.


1425
Meister Claes Haller gießt die Bronzeglocke für St. Cyriakus.


1426
Machtstreitigkeiten zwischen den Herzögen von Kleve und den Kölner Kurfürsten werden durch den Schiedsspruch des Pfalzgrafen bei Rhein zugunsten des Kölner Erzbischofs Dietrich von Mörs entschieden.


1427
Hermann von Schlangenholt ist Richter in Bottrop, wahrscheinlich am Femegericht im Beckram in Fuhlenbrock.


1432
Der Kölner Kurfürst Dietrich II. bezeugt in einem Schutzbrief die Existenz des Bottroper Michaelismarktes.


1433
Bottrop erhält seinen ersten ständigen Geistlichen, Johannes van Geseke. Er wird von Dietrich von der Knippenburg mit 'Haus und Hof' ausgestattet.


1446
Das Vest Recklinghausen wird vom Kurfürsten und Erzbischof von Köln für 17 550 Gulden an Johann zu Gemen verpfändet.


1460
Der Kreuzkamp wird erstmalig urkundlich erwähnt; wahrscheinlich wurde er als Segensstation bei Prozessionen genutzt.


1486
Dietrich von der Knippenburg errichtet auf dem Reuenberg die erste Windmühle Bottrop. Für fast drei Jahrhunderte wird sie die einzige in Bottrop bleiben. 1820 steht noch eine Ruine, 1850 ist auch diese verschwunden.

 

16. Jahrhundert

1506
Der Graf Johann zu Schaumburg-Lippe erwirbt das Pfand auf das Vest Recklinghausen von Johann von Nassau.


1573
Bortdorpe
erscheint auf der Karte des Christian Grooten; es ist die älteste Darstellung dieses Gebietes.


1576
Das Vest Recklinghausen wird vom Kölner Erzbischof Salentin für 24 488 Gulden beim Grafen zu Schaumburg-Lippe eingelöst.


1579
Der Kartograph Arnold Mercartor erstellt und signiert die von der Kölner Kurie in Auftrag gegebene Karte, die die Grenzstreitigkeiten mit dem Grafen zu Schaumburg-Lippe klären soll. Sie ist die älteste Karte, auf der der Name Bortorp vermerkt ist und zeigt das Gebiet um Bischofssondern 1:8000. Die darauf gezogenen Grenzen bleiben bis 1803 rechtsverbindlich.

Die Mercartorkarte von 1579   Ausschnitt Mercartorkarte
© Stadt Bottrop


1583
Das Kirchspiel wird im Zuge der Religionswirren vom kurfürstlichen Obersten Engelbert Nie besetzt.


1584
In Bottrop leben 153 Familien.


1595
Die Gerichtsbarkeit für die Kirchspiele Bottrop, Gladbeck und Osterfeld wird vom Kölner Kurfürsten von Recklinghausen nach Dorsten übertragen. Dort wird sie bis zur Errichtung eines eigenen Amtsgerichtes 1879 bleiben.

Die 'Alte Kirche' in Kirchhellen aus dem 13. Jahrhundert wird bis 1605 erweitert und mit Glocken (1605, 1642) und einem Hochaltar (1611) ausgestattet.


1598
Im spanisch-niederländischen ('kölnischen') Krieg wird Bottrop von einer spanischen Räuberhorde überfallen. Die Kommende Welheim wird völlig zerstört, das Dorf und die Kirche werden gebrandschatzt.

 

 

17. Jahrhundert

1630
Die kurfürstliche Verwaltung schreibt zum ersten Mal Bottrop.


1643
Die Welheimer Kapelle wird nach der Zerstörung im Kölnischen Krieg durch den Komtur Heinrich von Ittersum wieder aufgebaut.


1652
Pfarrer Rutger Baten richtet unter finanzieller Mithilfe der adeligen Häuser Welheim, Knippenburg, Schlangenholt und Hove die erste Schule ein. Auch der Kurfürst und der Kolon Johann Wittstamm tragen zur Bestreitung des Unterhalts für den Lehrer bei, der bis an sein Lebensende unterrichtete.


1660
Um sich einen Überblick über den Umfang der Folgen des Dreißigjährigen Krieges zu verschaffen, lässt der Kurfürst das 'Vestische Lagerbuch' zusammenstellen, welches den Stand der Bevölkerung, die Namen der Höfe, die geltenden Abgaben und die Abhängigkeitsverhältnisse angibt.


1673
Der Durchzug der französischen Truppen unter Ludwig XIV. richtet - laut einer Aufstellung des Vest Recklinghausen - im Kirchspiel Bottrop einen  Schaden von 15.000 Reichstalern an. Pfarrer Rutger Baten und Amtsfron Heinrich Böcker bestätigen dies mit ihren Unterschriften.

 

 

18. Jahrhundert

1720
Das Herrenhaus der Kommende Welheim wird im Manoir-Stil neu gebaut und erhält seine zuletzt bekannte Erscheinungsform.


1766
Schloss Beck
wird von Johann Conrad Schlaun als Herrensitz für Friedrich Florenz Rhaban errichtet.


1777
Die erste Verbindung nach Dorsten - die heutige Kirchhellener Straße - wird vom kurfürstlichen Stadthalter des Vestes, dem Grafen von Nesselrode, offiziell eröffnet. Die Unterhaltung ist Pflicht der einzelnen Kirchspiele.


1782
Die erste Volkszählung ergibt für Bottrop 1.661 Einwohner.


1785
Die Vestische Schulkommision setzt einen Schulkommissar ein, das Amt des Geistlichen wird mit dem des Lehrers verbunden. 1790 wird die Pfarrschule mit der Antonisvikarie zusammengelegt, Johann Jeronime wird Lehrer.


1787
Die Burg Schlangenholt wird abgebrochen. Das jetzige Haus Schlangenholt wird 1796 erbaut.


1788
Nach zweijähriger Bauzeit ist die St. Cyriakus-Kirche mit einem Querschiff zu einer Kreuzkirche ausgebaut worden.


1796
Erste Zeichen von Industrie: In Bottrop eröffnet die Baumwollspinnerei Lichtenhagen mit 60 Arbeitern. Mit der Erfindung des maschinellen Webens geht sie und ihre 1800 in Horst gegründete Zweigniederlassung aber zugrunde.

 

 

19. Jahrhundert

1803
Das Vest Recklinghausen kommt in den Besitz des Herzogs von Arenberg.


1809
Der Herzog von Arenberg übernimmt den Code Napoleon und verbrieft die Gleichberechtigung aller Landeseinwohner per herzoglichem Gesetz; der Kinderzwangdienst wird sofort, die Leibeigenschaft etwas später abgeschafft.

Die Kommende Welheim wird vom Deutschritterorden aufgegeben nachdem Napoleon per Dekret den Orden aufgehoben hat. Das Anwesen geht in den Besitz des Herzogs von Arenberg über, der bereits 1806 versucht hatte, die Kommende zu beschlagnahmen.


1811
Das Gebiet um das Kirchspiel Bottrop wird französischer Herrschaft unterstellt um wird dem Großherzogtum Berg zugeschlagen. Aus dem Kirchspiel wird die Maire mit Absteckung der politischen Grenzen zu den Nachbargemeinden. Erster Maire (Bürgermeister) wird der Freiherr von Wenge auf Haus Beck; im folgt noch im gleichen Jahr der Rentmeister Josef Ernst auf Haus Vondern.

Erstmals wird ein Haushaltsplan für die Maire Bottrop aufgestellt.


1815
Nach der Niederlage Napoleons und der damit verbundenen Neuordnung kommt das Vest und damit Bottrop zu Preußen. Die Ordnungsstrukturen der Franzosen werden übernommen und verdeutscht; Bottrop wird mit 2.178 Einwohnern offiziell eine Bürgermeisterei, der Bürgermeister bleibt Josef Ernst. Statt des Code Napoleon gilt nun das preußische Landrecht.


1821
Die Vietor-Mühle, die älteste existierende Mühle Bottrops, geht in Betrieb.

Wilhelm Tourneau wird neuer Bürgermeister von Bottrop und Osterfeld. Er ist bereits auch schon Bürgermeister von Kirchhellen.

Das Vest Recklinghausen wird nach einer Neugliederung aus dem Erzbistum Köln herausgelöst und wird der Diözese Münster zugeschlagen.


1823
Das Grundsteueraufkommen in Bottrop beträgt 1.863 Taler. Bottrop zählt 2.875 Parzellen und 389 Gebäude.

Bottrop 1823
© Stadt Bottrop

Friedrich Karl Devens pachtet das Gut Welheim. Er wird 1830 Landrat des Kreises Recklinghausen und wird bis zum Ende seiner Amtszeit (1848) den Kreis von Welheim aus verwalten. Seine Witwe wird noch bis 1876 den Betrieb des Gutes weiterführen.

Dem Schulvikar werden mit Franz und Adolf Triffterer zwei weltliche 'Gehilfen' beiseite gestellt, die später ordentliche Lehrer werden.

Bottrop verliert Gebiet: Grafenwald wird Kirchhellen zugeschlagen.


1828
Der - heutige - 'Alte Friedhof' wird geweiht. Er ersetzt den alten Dorffriedhof unmittelbar neben der Cyriakuskirche, der nicht mehr genutzt werden darf da eine Regierungsverordnung von 1818 besagt, das Friedhöfe mindestens 500 Schritt außerhalb des Dorfes liegen müssen.


1830
Bottrop hat 2.739 Einwohner, Kirchhellen 2.237 - in den nächsten 10 Jahren verändern sich die Zahlen nicht wesentlich.

In der Boy wird ein zweites Schulgebäude für die Gemeinde erbaut.


1832
Bottrop, Osterfeld und Kirchhellen werden zu einer Bürgermeisterei vereinigt.


1833
Bottrop bekommt eine eigene Poststelle und ist nicht mehr auf die Poststation in Oberhausen und auf Postsammelstellen angewiesen.


1839
An der heutigen Hansastraße wird ein großes Schulgebäude errichtet. Die Schule wird dort bis 1913 bestehen.


1840
Auf dem Armeler Hof in Vonderort wird erstmalig versucht, nach Kohle zu bohren. Ein Versuch 1854 erbringt ein Steinkohleflöz von 72 Zentimetern.

Bürgermeister Wilhelm Torneau verfasst die Chronik des Kirchspiele Bottrop und Osterfeld


1843
Aus der Bürgermeisterei wird die Landgemeinde, das Amt Bottrop. Erster Amtmann wird der bisherige Bürgermeister Wilhelm Tourneau.


1851
Theodor Morgenstern wird neuer Amtmann des Amtes Bottrop.


1856
Die Arenberg AG wird in Essen gegründet. Sie beginnt noch im gleichen Jahr mit der Abteufung von Prosper I. Die Zeche liegt bis 1929 auf Essener Gebiet. Das Industriezeitalter beginnt auch in Bottrop.

Postkarte, gelaufen 1906


1858
Kirchhellen
wird wieder selbständige Gemeinde und dem Landkreis Recklinghausen zugeschlagen.


1862
Die jetzige Cyriakus-Kirche wird von Eduard von Manger im gotischen Stil erbaut. Die alte Kreuzkirche von 1788 wird abgerissen.


1863
Die erste Kohle wird auf Prosper I. gefördert.


1865
An der Boyer Schule wird der erste Postkasten aufgestellt.


1868
An der Osterfelder Straße entsteht das erste Marienhospital.


1869
Auf Betreiben von Pfarrer Englert ab St. Cyriakus wird die Bottroper Rektoratsschule gegründet, die 'Zubringerdienste' für die Vorbereitung auf das Gymnasium und für die Pflege des theologischen Nachwuchses leisten soll. Das Schulgeld beträgt 25 Reichstaler, die Klasse hat 17 Schüler.


1873
Die Spiekenbaum-Mühle nimmt die Arbeit auf.

Nach einer neunmonatigen Übergangsregelung durch Amtsverwalter Hofmeister wird Gustav Ohm neuer Amtmann von Bottrop. Erstmals befasst sich die Amtsversammlung mit dem Gedanken, ein eigenes Amtshaus zu bauen. Zwei Jahre später wird für 7800 Mark ein Grundstück an der Kirchhellner Straße dafür gekauft.


1874
Die Bottroper Westfalia-Brauerei wird gegründet.

Mineralwasser aus der Westfalia-Brauerei...

Bottrop erhält beim Bau der 'Emschertalbahn' seinen ersten Bahnhof: Bottrop-Süd

Mit der Luggesmühle geht eine weitere Windmühle in Betrieb. Bereits ein Jahr später wird sie neben der Wind- auch einen Dampfantrieb bekommen - ein klarer Wettbewerbsvorteil, da sie nun das ganze Jahr mahlen kann.


1875
Prosper II
nimmt den Betrieb auf. Bereits seit 1871 wurde mit dem Bau des Schachtes begonnen; 1872 wurde der Malakowturm fertiggestellt, der 1984 unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Prosper II

Erstmalig findet ein monatlicher Pferdemarkt statt, der Handelsplatz trägt ab 1879 auch offiziell den Namen 'Pferdemarkt'.

Pfarrer Englert kauft das Haus hinter der Cyriakuskirche und läßt eine neues Gebäude für die Rektoratsschule samt Rektorwohnung bauen.


1878
Die Gemeinde beschließt die Einrichtung einer eigenen Stadtsparkasse.


1879
Die Gemeinde weiht ihr erstes Amtshaus ein. Das vom Essener Architekten H. F. Hardung gebaute Haus umfasst drei Büroräume, ein Sitzungszimmer und einen Kassenraum. Im ersten Stock befindet sich die Wohnung des Amtmannes.

Das Amtsgericht  Bottrop wird an der Horster Straße eingerichtet. Es untersteht dem Amtsgericht in Münster.

Bottrop-Nord ist der zweite Bottroper Bahnhof an der Strecke Oberhausen-Osnabrück der Rheinischen Bahn.


1880
Durch die Zuwanderung von Arbeitskräften aus dem Osten schnellt die Einwohnerzahl in Bottrop auf 7.724 hoch; in Kirchhellen zählt man 2.951 Einwohner.


1881
Die 'Bottroper Volkszeitung' wird gegründet. Im folgenden Jahr hat sie 400 bis 500 Abonnenten.


1883
Als erste evangelische Kirche wird am Pferdemarkt die Martinskirche errichtet. Der erste evangelische Gottesdienst in Bottrop wurde bereits 1877 abgehalten.


1884
An der Paßstraße entsteht mit der Lutherschule die erste evangelische Schule.


1885
Die Arenberg AG, erwirbt von den Familie Devens die Knippenburg. Der vestische Landrat Karl Devens lebte bis zu seinem Tode 1848 auf der Knippenburg; 1878 wurde seine Tochter Antonia Devens Alleinerbin; im Jahre 1883 erbte Dr. Fritz Karl Devens das Anwesen.


1888
Josef Albers wird in Bottrop geboren.


1889
Das erste Krankenhaus der Gemeinde wird von der Osterfelder Straße an den Kreuzkamp verlegt; das zweite Marienhospital. Im alten Gebäude entsteht das St. Vinzenz-Waisenhaus, welches von den Schwestern von der göttlichen Vorsehung geleitet wird.

Altes Marienhospital (um 1910)


1891
Osterfeld
wird aus der Gemeinde Bottrop ausgegliedert und wird ein eigener Amtsbezirk.


1892
Das Amtsgericht Bottrop wird dem Landgericht Essen unterstellt.

Der Amtmann Ohm muß seine Wohnung im Amtshaus räumen, da der gesamte Platz benötigt wird. Schon 1902 muss das Amtshaus um einen ganzen Flügel erweitert werden, 1912 beschließt die Gemeinde einen Neubau.


1895
Die Alte Apotheke, eines der bekanntesten Häuser Bottrops, wird von dem Architekten Kunhenn im Schatten der Cyriakus-Kirche gebaut.

Erstmalig bekommen die Straßen in Bottrop Namen.


1896
Das erste elektrische Licht brennt in Bottrop.

Bürgerfamilien aus Bottrop gründen eine 'private Töchterschule' - erster Standort ist das Wohnhaus der Lehrerin in der Wilhelmstraße (jetzt: Gladbecker Straße). Es ist die Keimzelle des späteren Josef-Albers-Gymnasiums.


1898
August Rincklake errichtet mit St. Johannes in der Boy eine neugotische Hallenkirche. Sie ist die zweite katholische Kirche im Stadtgebiet.  Die Paramente, Kelche, Monstranz, Leuchter sowie die Glocke werden von der Kommende Welheim übernommen, deren Kapelle für die 3.400 katholischen Einwohner (1895) von Boy und Welheim zu klein geworden ist. Die letzte Messe in der Welheimer Kapelle wird am 24. Oktober gelesen.

Kapelle Welheim

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal wird eingeweiht und auf dem Neumarkt aufgestellt. Es wird im Laufe der Jahre mehrmals den Standort wechseln.


1899
In Bottrop verkehren die ersten Straßenbahnen - vom Pferdemarkt nach Essen.

Die private höhere Mädchenschule wechselt in das erste eigene Schulgebäude an der Schanhölzstraße 21. In den Jahren 1907 und 1910 werden bereits Um- und Ausbauten fällig.

Gruss aus Bottrop, gelaufen 1899

 

 

20. Jahrhundert

1900
Die Zeche Rheinbaben im Eigen nimmt die Förderung auf.

Mit Hermann Böckenhoff bekommt Bottrop seinen letzten Amtmann.

Der Verein für Bewegungsspiele Bottrop, der VfB Bottrop 1900 e.V., wird gegründet.


1901
Die Villa Dickmann wird erbaut von Gertrud Dickmann, geb. Sandgathe, damals alleinige Eigentümerin der Formsandgräberfirma Frau August Dickmann GmbH.

.Villa Dickmann um 1910
© Dirk Hellmann


1902
Die von den Architekten Kersting und Wenking entworfene Herz-Jesu-Kirche im sog. 'Unterdorf' wird eingeweiht - schon 1906 muß sie wegen Bergschäden geschlossen werden, nachdem Gewölbeteile eingestürzt sind.

Herz-Jesu-Kirche, 1906

Die Rektoratsschule wird in einen Neubau an der Osterfelder Straße verlegt.


1905
Bottrop erhält seinen dritten Bahnhof - Bottrop-West, der spätere Hauptbahnhof.

Die Einwohnerzahl beträgt etwa 34.000. Von Seiten der Gemeinde wird erstmalig versucht, die Stadtrechte und damit größere Selbständigkeit und Unabhängigkeit zu erlangen.

Beginn der Abteufung von Prosper III (erste Kohleförderung 1908).


1907
Der Sportverein Adler 07 wird gegründet.

Die alte Kapelle des Haus Welheim wird wegen Baufälligkeit abgerissen. Das Renaissanceportal von 1643 wird dem ortsgeschichtlichen Museum in Essen übergeben.


1908
Die Vietor-Mühle stellt den Betrieb als Windmühle ein - die dichter werdende Bebauung nimmt ihr den Wind. Der Antrieb wird nun auch auf Dampf umgestellt.

Bottrop zählt 42.126 Einwohner, in den letzten sechs Jahren hat deren Zahl um ca. 55% zugenommen.


1909
Nach vierjähriger Bauzeit wird an der Kreuzkampstraße (heutige Gerichtsstraße) das Amtsgericht sowie das Gefängnis neu gebaut.

Weite Teile im Süden und Osten von Bottrop werden nach Deichbrüchen von der Boye überschwemmt. Die 1904 gegründete Emschergenossenschaft baut die Boye auf 8 km Länge in der Zeit von 1912/1918 aus.

Beginn der Abteufung der Schachtanlage Arenberg-Fortsetzung (erste Kohleförderung 1912).

Das Haus Welheim wird mit 578 Morgen an die Arenberg'sche Actiengesellschaft verkauft.


1910
Nach zwischenzeitlicher Umwandlung der Rektoratsschule in ein Progymnasium (1905) wird dieses nun eine Vollanstalt. Das neue humanistische Gymnasium bekommt an der Blumenstraße ein neues Gebäude des Essener Architekten Ludwig Becker.

Gymnasium um 1918

Auch die private Töchterschule wird umgewandelt: Die Gemeinde übernimmt sie als eigene Schule, 1914 wird sie als Lyzeum anerkannt und wird damit eine höhere Lehranstalt.

Die Luggesmühle wird elektifiziert, zwei Jahre später werden die Windflügel demontiert.


1912
Das Bekleidungsgeschäft Rickert, welches bis 2002 an etwa gleicher Stelle besteht, eröffnet an der Hansastraße.

Die Gemeinde bewilligt auf Anregung des Amtmannes Böckenhoff 200 Mark zur Erforschung der Geschichte Bottrops. Mit der Aufgabe wird Oberlehrer Dr. Frie beauftragt.


1913
Der Heimatverein wird gegründet. Das Interesse bei der Gründungsversammlung im überfüllten Saal des Westfälischen Hofes im April ist so groß, das der Verein nach drei Monaten bereits 310 Mitglieder zählt.

Die alte Dorfschule hat ausgedient: das Grundstück wird verkauft, das Gebäude abgerissen. Ende der zwanziger Jahre wird genau an dieser Stelle der künftige Stadtmittelpunkt entstehen: Das Kaufhaus Althoff.

Die alte Dorfschule steht zum Verkauf

Die Liebfrauenkirche auf dem Eigen wird von dem Kölner Dombaumeister Bernhard Hertel ebenfalls im gotischen Stil erbaut.

Beginn der Abteufung der Schachtanlage Vereinigte Welheim (erste Kohleförderung 1914).

Zeche Vereinigte Welheim


1915
Der 'Eiserne Aar' von Bottrop, ein Kriegerdenkmal am Pferdemarkt, wird feierlich enthüllt und anschließend 'benagelt'. Nägel kosten -,50 Mk bis 20 Mk, der Erlös fließt den Angehörigen der Soldaten zu.


1916
Das Rathaus der Gemeinde Bottrop, im Stil der Neorenaissance von Ludwig Becker erbaut, wird nach zwei Jahren Bauzeit fertiggestellt. Die Gemeinde hat nun 76.703 Einwohner.

Rathaus um 1923

Das 'Theater Königsfeld' läßt sich in Bottrop nieder, die Stadt bekommt damit ihr erstes ständiges Theater. Zunächst wird in einem Zelt auf dem ehemaligen Kirmesplatz gespielt bis 1918 ein Holzbau errichtet wird. Erste Pläne für einen massiven Theaterbau werden wegen der Kosten von der Gemeinde abgelehnt.


1918
Der erste Weltkrieg bringt Bottrop den Verlust von 1.678 Gefallenen.

Am Bottroper Mädchen-Lyzeum wird eine Frauenschule angegliedert. Schwerpunkte sind Haushaltungskunde, Gesundheitskunde und Kinderpflege, Kindergarten und Nadelarbeit. Wegen geringer Schülerzahlen wird die Schule bereits 1922 wieder geschlossen.


1919
Bottrop, das 'größte Dorf Preußens', erhält mit 72.000 Einwohnern endlich die Stadtrechte durch Beschluss der preußischen Staatsregierung in Berlin. Sie wird kreisfreie Stadt und scheidet nach einer Übergangszeit 1921 - rückwirkend zum 1.1.1920 - aus dem Kreis Recklinghausen aus.

Telegramm zur Erlangung der Stadtwürde
© Stadtarchiv Bottrop

Josef Franke errichtet seine zweite Kirche in Bottrop, St. Josef, die Stilmerkmale der Romantik, des Barocks sowie des Jugendstils in sich vereint.

Die Spartakisten erstürmen im Februar das Bottroper Rathaus.

Die Volkshochschule Bottrop nimmt ihre Arbeit auf. Bereits 1923 wird das Angebot wegen zu geringen Interesses wieder eingestellt.


1920
Die zweite Zuwanderungswelle hat seit 1880 die Einwohnerzahl in Bottrop verzehnfacht, es leben nun 75.302 Menschen hier. Kirchhellen bleibt eine Landgemeinde mit 5.166 Einwohnern.

Nach Übergangsregelungen nach der Stadtwerdung wird Dr. Erich Baur der 1. Oberbürgermeister der Stadt Bottrop.

Am Karsamstag kommt es zwischen der 'weißen' Brigade Löwenfeld und der Roten Ruhr-Armee zur 'Schlacht um Bottrop'.

Josef Albers stellt seinen Entwurf für das zu schaffende Bottroper Stadtwappen vor. Er wird einhellig als 'zu modern' abgelehnt.


1921
Die von Meister Claes Haller gegossene Bronzeglocke von St. Cyriakus wird abgenommen und vor dem Rathaus aufgestellt, wo sie heute noch steht.

Der Stadtgarten wird im Stil eines englischen Landschaftsgarten mit einem Gondelteich angelegt.

Stadtgarten um 1928


1923
Die Stadt wird von französisch-belgischen Truppen für fast zwei Jahre besetzt; die Spiekenbaum-Mühle wird von belgischen Truppen besetzt. Sie vermuten, das der Müller ein Spion ist, der mit den Windmühlenflügeln Signale zum Rathaus sendet..

Im November kostet ein Exemplar der 'Bottroper Volkszeitung' mehr als 1 Billion Mark., die Stadt gibt im Verbund mit Osterfeld und Gladbeck eigenes Notgeld heraus. Der höchste Nennwert im November ist 20 Billionen Mark.

Das städtische Mädchen-Oberlyzeum bezieht sein neues Schulgebäude gegenüber dem Rathaus. Erst im letzten Jahr wurde die Genehmigung zum Ausbau der Schule zur Vollanstalt erteilt. Damit kann 1925 hier das erste Abitur abgelegt werden.

Rathaus mit Lyceum


1924
Die im neoklassizistischem Stil erbaute Post am Trappenkamp wird ihrer Bestimmung übergeben. Gleichzeitig werden Pläne erstellt, auf dem Trappenkamp ein Theater zu bauen. Bottroper Bürger unter Leitung der Handelslehrerin Peters schließen sich im Dezember zur Bottroper Theatergemeinschaft zusammen.

Mit dem Jahnstadion wird Bottrops größte Sportstätte eröffnet.


1925
Der Bahnhof Bottrop-Boy wird endlich eingeweiht - ein langgehegter Wunsch der Bewohner der Boy geht in Erfüllung. Später wird in dem Gebäude auch die Postnebenstelle Boy eingerichtet.

Bahnhof Bottrop-Boy (heute Eiscafe Giancarlo)

Der Caritasverband Bottrop wird gegründet.

Auch in Kirchhellen - in der Hohen Heide - wird unter Protest der Bevölkerung erstmals nach Kohle gebohrt.


1926
Das Bottroper Stadtwappen, ein Bergmannshammer (Fäustel) in geschwungener Faust auf rotem Hintergrund, eingerahmt vom Krückenkreuz des Deutschritterorderns, wird von Prof. Otto Hupp unter Einbeziehung zweier früherer Entwürfe (Lange, 1924 und Theo Pape, 1925) geschaffen.

Das Wappen der Stadt Bottrop 1919 - 1978
© Stadt Bottrop

Die Kirchheller Heide - Heide- und Moorlandschaft Kletterpoths - wird zum Naturschutzgebiet erklärt.

Erstmalig wird angeregt, die Hochstraße komplett für den Kraftfahrverkehr zu sperren.

Der Holzbau des Theater Königsfeld wird baupolizeilich geschlossen und brennt ein Jahr später ab. Aber es gibt endlich Ersatz: Die Schauburg - Kino und Theater zugleich - von Erbauer des Rathauses Ludwig Becker und dem Bühnenarchitekten Karl Wild geplant wird im November mit 'Figaros Hochzeit' eröffnet.


1927
Die Herz-Jesu-Kirche wird endgültig abgerissen und durch Josef Franke in ihrer heutigen Form neu erbaut.

Die größte Zentralkokerei Europas entsteht in Bottrop an Prosper II. auf dem ehemaligen Gut Welheim, da sich die hier abgebaute Kohle gut zur Herstellung von Koks eignet.

Zentrakokerei

Die Stadtbibliothek wird eröffnet; sie ist jedoch nur dem Fachpublikum zugänglich. Erst 1934 wird eine öffentliche Stadtbücherei die Buchausleihe für alle Bürger anbieten.

Das Jungen-Gymnasium an der Blumenstraße wird umgebaut und neben dem altsprachlichen um einen neusprachlichen Zug erweitert.


1928
August Everding wird in Bottrop geboren.

Die evangelische Paul-Gerhard-Kirche wird eingeweiht.

Da der Bau und die geplanter Erweiterung der Zentralkokerei den Gebäudebestand gefährdet, plant die Stadt Bottrop ein Gipsmodell der Kommende Welheim anfertigen zu lassen um sie so in einem geplanten Heimatmuseum der Nachwelt zu erhalten. Zuvor hat man sich bemüht die, das ehemalige Welheimer Kirchenportal von Essen zurückzuerwerben. das Begehren wird mit der Begründung abgelehnt, dass das Portal im Neubau des Ruhrlandmuseums eingebaut werden soll. Dort wird es später bei den Luftangriffen auf Essen zerstört.

Situation Haus Welheim Ende 1928
Info & © Stadt Bottrop


1929
Im Zuge der ersten kommunalen Neugliederung erhält Bottrop die Stadtteile Ebel und Vonderort, sowie einen kleinen Teil von Karnap eingemeindet. Die Südgrenze der Stadt wird von der Emscher an den Rhein-Herne-Kanal verschoben.

Theodor Althoff errichtet in der Stadtmitte auf dem Gelände der alten Dorfschule das erste Warenhaus Bottrops auf 5.000 qm.

Kaufhaus Althoff (später Karstadt)

Die Berufsschule wird fertiggestellt.


1930
In der Boy entsteht die erste Zweigstelle der Stadtsparkasse.

Die Zeche Arenberg-Fortsetzung wird stillgelegt.

Die Reste der alten, bereits 1910 stillgelegten Wassermühle der Kommende Welheim werden dem Erdboden gleichgemacht.


1931
Das Marienhospital bezieht am Randebrock seinen dritten Bau, in dem es bis heute zu finden ist. Das Knappschafts-Krankenhaus wird nach sieben Jahren Planung und Bau, die durch die Wirtschaftskrise verzögert wurden, eröffnet.

Marienhospital, um 1939  Knappschaftskrankenhaus

Auch die Zeche Vereinigte Welheim wird stillgelegt.


1932
Im Köllnischen Wald wird die Jugendherberge Bischofssondern eröffnet.

Die katholischen Kirchen Bottrops werden innerhalb des Bistums Münster zu einem eigenen Dekanat zusammengefasst.


1933
Mit dem Hissen der Hakenkreuzfahne auf dem Rathausturm treten die Nationalsozialisten in Bottrop zum ersten Mal öffentlich in Erscheinung.

Bei den letzten freien Kommunalwahlen setzt sich das Zentrum mit 30,9% der Stimmen als stärkste Kraft vor der NSDAP mit 25,9 % durch.

In kürzester Zeit wird das öffentliche Leben gleichgeschaltet. Die Parteien lösen sich auf. Bisherige Repräsentanten, wie Oberbürgermeister Baur 'gehen in Urlaub bis zur Pensionierung'. Die Stadtverordnetenversammlung wird durch 16 berufene Gemeinderäte ersetzt.  Emil Irrgang, Stadtverordneter aus Bielefeld, wird der neue Oberbürgermeister.

Der Bahnhof Bottrop-West wird in Hauptbahnhof Bottrop umbenannt.

Bottroper Hauptbahnhof (1905 - 1995)


1934
Am Kreuzkamp entsteht das erste Heimatmuseum.


1935
Nachdem Bürgermeister Otto Oberdrevermann die Geschäfte zeitweilig übernommen hatte wird Dr. Günther Graf von Stosch der dritte Oberbürgermeister der Stadt Bottrop.


1936
Das bekannte Hotel Mostert (erbaut 1870) muß der Verbreiterung der Hochstraße weichen.


1937
Auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Vereinigte Welheim wird von der Gewerkschaft Hugo Stinnes das Werk Ruhröl, eins von drei Hydrierwerken zur Erzeugung von Benzin aus Kohle errichtet.


1940
Das Bezirkswirtschaftsamt ordnet eine eine Teilbetriebsstillegung der 'Bottroper Volkszeitung' an. Der Betrieb wird gleichgeschaltet.

Blick in die Hansastraße, gelaufen 1943

Die Bronzeglocken der Bottroper Kirchen geraten ins Visier bei der 'Metallspende des Deutschen Volkes'. Neben den gesammelten 33 t Metall wird auch eine Aufstellung aller Glocken gemeldet. Von einem Ausbau zwecks Einschmelzung wird abgesehen; ebenso soll das einzige Denkmal der Stadt - Kaiser Wilhelm I. - erhalten bleiben.


1942
Eine Luftmine trifft einen Flügel des Marienhospitals und richtet schwere Zerstörungen an.


1943
Eine Bombe zerstört im März das Kaufhaus Althoff.

Robert Hoffmann, Beigeordneter und Stadtbaurat von Herten, wird neuer Oberbürgermeister nachdem die Stelle fast anderthalb Jahre vakant war.


1944
Luftangriffe
richten in Bottrop schwere Zerstörungen an. Besonders oft ist das Werk Ruhröl in Welheim/Boy das Ziel. Circa 70% der Wohngebäude in der Boy werden zerstört. Noch 1999 werden im Rahmen der Sanierung des Ruhröl-/Hüls-Geländes über 50 Blindgänger gefunden und entschärft.

Zerstörungen in der Hugo-Stinnes-Straße

Auch gegen die Zeche Prosper werden gezielte Angriffe geflogen. Das Herrenhaus und der Südturm der Kommende Welheim werden durch Sprengbomben, die das Ziel Zentralkokerei und Ruhröl haben, total zerstört.


1945
Am 30. März wird Bottrop von den Amerikanern besetzt.

Der Steuerdirektor Franz Reckmann wird der fünfte Oberbürgermeister von Bottrop. Nach den ersten Gemeindewahlen wird er das Amt des Oberstadtdirektors übernehmen.


1946
Nach den ersten Wahlen und der neuen Gemeindeordnung wird Wilhelm Tenhagen (SPD) mit den Stimmen von SPD und KPD zum neuen ehrenamtlichen Oberbürgermeister gewählt.

Die 1923 eingestellte Volkshochschule wird wieder ins Leben gerufen.


1949
Neuer Oberbürgermeister wird Ernst Wilczok (SPD).

Die Bottroper Volkszeitung erscheint erstmalig wieder unter Ihrem Tradtionsnamen, nachdem sie seit 1946 übergangsweise Westfalenpost hies.

Die Bottroper Mädchenoberschule wird in ein Neusprachliches Gymnasium für Mädchen umgewandelt.


1951
Das Kaufhaus Althoff wird wiedereröffnet.

Hansastraße mit Blick auf Althoff, 1954

Die alte Glocke der Kapelle der Kommende Welheim wid von St. Johannes in die neugebaute Kirche von St. Antonius zurück nach Welheim gebracht.


1953
Bottrop überschreitet die Grenze von 100.000 Einwohnern und wird die 49. Großstadt Deutschlands. Am Tage der Großstadtwerdung wird Hugo Reckmann die Ehrenbürgerwürde der Stadt verliehen.


1954
Zum ersten Mal nach dem Krieg findet in Bottrop wieder ein Karnevalsumzug statt.

Die letzten Reste der im Krieg zerstörten Kommende Welheim werden abgerissen. Die Fläche wird zum Teil überbaut. Mit einem Panzerpflug wird als letzter Rest der Gebäude der Stumpf des Südturms beseitigt.

Arno Heinrich stellt seine geologische Privatsammlung in der Körnerschule erstmals der Öffentlichkeit vor. Auf Vorschlag der Stadt wird sie in eine Dauerausstellung und den Grundstock für ein Museum umgewandelt.


1955
Die Heilig-Kreuz Kirche mit ihrer von Georg Meistermann geschaffenen Glasfensterwand wird erbaut.

Fast die Hälfte der 40.000 Beschäftigten in Bottrop lebt direkt oder indirekt von der Kohleförderung.

Der erste Bus fährt zwischen der Stadtmitte und dem Eigen - das Ende der Ära der Straßenbahnen beginnt.

Das renovierte Stenkhoffbad erreicht gleich in der ersten Saison über 100.000 Besucher.

Dem Bottoper Augenarzt Johannes Ohm wird zu seinem 75. Geburtstag die Ehrenbürgerwürde der Stadt Bottrop verliehen. Er hatte seit 1907 in der Stadt praktiziert und konnte durch seine Erforschung des "Augenzitterns bei Bergleuten" über 2.000 Patienten helfen und dafür sorgen, das diese Krankheit durch bessere Beleuchtung unter Tage nicht mehr auftrat.


1956
Mit dem Verwaltungsgebäude der Rheinstahl AG wird eines der markantesten Nachkriegsgebäude am Gleiwitzer Platz fertiggestellt. Der Rat der Stadt trifft weitreichende Entscheidungen zum Neubau der Innenstadt: innerhalb eines Jahrzehnts wird das Gebiet Osterfelder Straße / Hansastraße ein völlig neues Gesicht bekommen.

Das bereits 1951 zweigeschossig wieder aufgebaute Kaufhaus Althoff wird um drei weitere Stockwerke erhöht.

Bottrop wird dem neu geschaffenem Bistum Essen zugeordnet. Kirchhellen bleibt weiterhin bis heute im Bistum Münster.

Die Luggesmühle stellt den Betrieb ein. Das Gebäude wird als Lagerstätte für Futtermittel genutzt.


1957
Der Rat der Stadt beschließt erneut den Bau eines Stadttheaters. Auch ein Platz ist schon gefunden, gegenüber dem Gleiwitzter Platz.

Über 30 Jahre nach den ersten Überlegungen (damals für die Hochstraße) wird Autos die Durchfahrt durch die Hansastraße erstmalig in den Hauptverkehrszeiten verboten.


1958
Die Mercartor-Karte wird im Archiv des Herzogs von Arenberg wiederentdeckt, nachdem sie als verschollen galt. Seitdem befindet sie sich als Dauerleihgabe im Besitz der Stadt Bottrop.

Das Gebäude der Stadtsparkasse am Pferdemarkt wird fertiggestellt, das beliebte Gasthaus Schäfer muss dafür weichen.

Das Hallenbad am Berliner Platz wird im Oktober eingeweiht.

Hallenbad 

Mit dem Schacht 9 der Zeche Prosper IV wird erstmals Kohle unter Kirchhellen-Grafenwald abgeteuft.

Auf dem Gelände der ehemaligen Kommende Welheim werden durch Arno Heinrich erste Ausgrabungen durchgeführt. Dabei werden mittelalterliche Keramiken und ein Spinnwirtel gefunden.


1959
Auf dem ehemaligen Feldflugplatz 'Schwarze Heide' in der Kirchheller Heide starten die ersten Segelflieger.

Der Trappenkamp wird in Berliner Platz umbenannt.

Nach einer neuen Theorie des Rechtsanwaltes Dr. Heinrich Heyers, die er im März in seiner Schrift 'Die Geheimnisse unserer Landkarten' darlegt, stammt der Name Bottrop von Bootes, einem Stern im Sternbild des Plotemäus und ist auf die Anwesenheit der Römer in unserem Landstrich zurückzuführen...


1960
An der Hochstraße eröffnet die Kinderbücherei.

Die landwirtschaftlich genutzte Fläche in Bottrop ist seit 1950 von 927 auf 436 Hektar zurückgegangen - Bottrop wird endgültig Industriestadt.

Die Osterfelder Straße wird vierspurig ausgebaut - Mitte der 60er Jahre wird sie eine Breite von 23 m haben. Dem Ausbau zwischen Altmarkt und Friedrich-Ebert-Straße sowie der Anbindung zum Berliner Platz fallen zuerst das Haus Schmuck und das Haus der Fa. Unterberg zum Opfer.

Die Firma Böhmer beginnt den Neubau ihres Geschäftes am Altmarkt. Auch dieser Bau wird das Gesicht der Innenstadt prägen.


1961
In der ehemaligen Oberbürgermeistervilla im Stadtgarten wird aus den Restbeständen und aus der privaten Sammlung von Arno Heinrich das Heimatmuseum wiedereröffnet.

Das Heimatmuseum

In der von der Stadtkämmerei herausgegebenen Broschüre "Dein Geld Im Haushaltsplan" wird unter anderem der Bau eines eigenen Stadttheaters für die nahe Zukunft in Aussicht gestellt.

Im Ortsteil Boy wird an der Horster Straße ein Marktplatz gebaut, um den sich das Geschäftszentrum bildet.

Bernhard Roghmann (CDU) wird neuer Oberbürgermeister der Stadt Bottrop. Schon 1964 wird der bisherige Amtsinhaber, Ernst Wilczok (SPD), dieses Amt zurückerhalten.


1962
Die Gebäude der Jugendherberge Bischofssondern müssen wegen Bergschäden abgebrochen werden. Das als Ersatz aufgestellte Fertighaus brennt vier Jahre später ab.

Die Rheinstahl Bergbau AG, Nachfolgerin der Arenberg AG, läßt am 31. Oktober die vom Krieg stark zerstörte Knippenburg sprengen. Heute befindet sich dort ein Gewerbegebiet.


1963
Auch die Vietorsmühle stellt den Mahlbetrieb ein.


1964
Der sogenannte Hansablock, vier Häuser mit vier bzw. fünf Stockwerken an der Osterfelder Straße, wird fertiggestellt.

Die Hansastraße und die Straße 'Am Pferdemarkt' werden zur Fußgängerzone.


1965
Die Zechen Jacobi und Franz Haniel werden zu einem Verbundbergwerk Jacobi-Haniel zusammengelegt.


1966
Der Kaufmann Karl Kuchenbäcker erwirbt das in ruinösen Zustand befindliche spätbarocke Schloss Beck und restauriert es seitdem durch den Erlös aus einen dort betriebenen Märchenpark.

Schloss Beck, Ansichtskarte 60er Jahre

Das City-Hotel und das Parkhaus an der Osterfelder Straße werden fertiggestellt.

Bei Ausschachtungsarbeiten für eine Fernwärmeleitung wird der ehemalige Friedhof der Kommende Welheim (bis 1842) wiederentdeckt.


1967
Mit der französischen Stadt Tourcoing schließt Bottrop seine erste Städtepartnerschaft.

Die Schachtanlage Rheinbaben wird stillgelegt

.Rheinbabenschächte

Der älteste Bahnhof Bottrops, Bottrop-Süd, wird zum Anfang des Jahres vollständig aufgegeben, da er keine Bedeutung für den Personenverkehr mehr hatte.

Das staatliche Gymnasium an der Sterkrader Straße nimmt erstmals auch Mädchen auf. Damit entsteht die erste Koedukationsschule.


1968
Die Westfalia-Brauerei stellt ihren Braubetrieb ein. Auch eine Fusion mit der Königs-Brauerei hat die letzte Bottroper Brauerei nicht mehr retten können. Bis 1976 wird sie noch als reiner Gewerbebetrieb weitergeführt, dann kommt auch dafür das Aus.

Auf Weisung des Schulverwaltungsamtes melden Eltern ihre Söhne am städtischen Mädchengymnasium an, das das staatliche Gymnasium überfüllt ist und am städtischen Jungengymnasium nicht mit Englisch, sondern nur mit Latein begonnen werden kann.


1969
Das staatliche Gymnasium zieht in den Neubau an der Horster Straße auf der ehemaligen Max-Schwarze-Kampfbahn. Im Herbst wird es in Vestisches staatliches Gymnasium umbenannt.


1970
Josef Albers erhält die Ehrenbürgerwürde der Stadt Bottrop.

Die alte St.Johannes-Kirche in der Boy wird wegen Bergschäden abgerissen und 1973 durch einen modernen Neubau ersetzt.

Das Studienhaus für Lehrerfortbildung des Bistums Essen bezieht seine Räume am Ehrenplatz.


1973
Der Slogan "Stadt der Treffpunkte" entsteht. Das seit 1968 erscheinende, monatliche Informationsheft des Verkehrsvereins bekommt ihn als Untertitel und macht ihn bekannt.

Im Rathaus werden erstmalig in einer großen Ausstellung Werke von Josef Albers gezeigt.


1974
An der Grenze zu Oberhausen eröffnet der Revierpark Vonderort seine Pforten; er beinhaltet ein Freibad, in Bürgerhaus, ein Restaurant und andere Erholungsanlagen.

Das Volksbegehren gegen die kommunale Neuordnung scheitert am 13.02.1974. Bottrop, Kirchhellen und Gladbeck sollen als eine Stadt unter den Namen 'Bottrop' zusammengeschlossen werden. Die Vorschläge 'Kirchhellen' und 'Wittringen' scheitern. Sowohl Gladbeck als auch Kirchhellen legen Verfassungsbeschwerde ein.

Das Verbundbergwerk Jacobi-Haniel wird stillgelegt; Prosper und Haniel bilden ein neues Verbundbergwerk.

Das Vestische staatliche Gymnasium geht in den Besitz der Stadt Bottrop über und heißt nun Vestisches Gymnasium Bottrop.


1975
Durch die kommunale Neuordnung werden Gladbeck und Kirchhellen Stadtteile von Bottrop. Die Stadt hat nun 200.700 Einwohner, der Zusammenschluss 'Glabotki' wird weiterhin heftig bekämpft.

Nach den Kommunalwahlen wird Theo Knorr (SPD) neuer Oberbürgermeister der Stadt Bottrop.

Mit dem Nikolausurteil (am 06.12.1975) wird der Zusammenschluss gerichtlich als 'von Anfang an nichtig' beendet. Damit sind die auch Ergebnisse der Wahlen nichtig, der alte OB ist wieder im Amt.

Die vor einem Jahr gegründete Fernuniversität Hagen richtet in Bottrop ein Studienzentrum ein.


1976
Nach langen Verhandlungen bilden Kirchhellen und Bottrop ab dem 1.7. die neue Stadt Bottrop mit 116.043 Einwohnern.

Josef Albers stirbt in Orange / USA. Kurz vorher wird mit seiner Einwilligung das städtische Mädchengymnasium in Josef-Albers-Gymnasium umbenannt; die Schule wird auch offiziell eine Koedukationsschule.

Das Museumszentrum Quadrat wird eingeweiht. Die Eiszeithalle, das Medienzentrum und die Moderne Galerie ergänzen das Heimatmuseum.

Im Dezember fahren in Bottrop die letzten Straßenbahnen; der Nahverkehr wird nun vollständig von Bussen übernommen.


1977
In Kirchhellen wird die Bernd-Schnock-Halle eingeweiht.


1978
Die Wappen von Kirchhellen und Bottrop werden zum neuen Bottroper Stadtwappen kombiniert. Während der äußere Teil, das Krückenkreuz, vom alten Bottroper Wappen übernommen wurde, stammen die drei Wolfsangeln aus dem alten Kirchheller Wappen.

Das neue Wappen der Stadt Bottrop (c) Stadt Bottrop
© Stadt Bottrop

In Kirchhellen wird der Traumlandpark eröffnet.

Die Gebäude der Westfalia-Brauerei und der Brotfabrik Allermann in der Innenstadt werden abgerissen um dem Neubau eines Einkaufszentrums Platz zu machen.

Das Trapez, Ergebnis der Umgestaltung der Gladbecker Straße, wird fertiggestellt.


1979
Die Historische Gesellschaft wird gegründet. Seitdem veröffentlicht sie viele Publikationen zur Bottroper Stadtgeschichte.

Zum Ende des Jahres wird Prosper III stillgelegt.


1980
Durch den Vertrag mit Blackpool (GB) schließt Bottrop zum zweiten Mal eine Städtepartnerschaft.

In den USA erscheint eine Briefmarke zum Gedenken an Josef Albers mit der Abbildung eines seiner Gemälde ('Glow') und dem Satz 'Learning never ends'.

Auf einer stillgelegten Zechenhalde in Duisburg-Obermeiderich wird der Marmorsockel des Kaiser-Wilhelm-Denkmals von 1898 wiedergefunden. Das Bronzedenkmal selber ist vermutlich im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen worden.


1981
Im Ortsteil Welheim ersteht die größte Kohleverflüssigungsanlage Europas.

Der vom Bottroper Stadtarchitekten Bernhard Küppers entworfene Saalbau am Rathaus wird eröffnet.

Anni Albers, Witwe von Josef Albers und die Josef Albers Foundation New Haven übereignen der Stadt 90 Ölbilder und das nahezu vollständige graphische Werk von Josef Albers, der bereits 1973 der Stadt einige seiner Werke geschenkt hatte.

Im Revierpark Vonderort wird die Eislaufhalle eröffnet, die sich an das Freibad anschließt.

Das Hansa-Zentrum, ein Einkaufszentrum im Herzen der Innenstadt, wird eröffnet und gibt ihr ein völlig neues Gesicht.


1983
Das Josef-Albers-Museum, ebenfalls von Bernhard Küppers entworfen, ergänzt nun  - nicht nur optisch - das Quadrat und beherbergt ausschließlich seine Werke. Der damalige US-Vizepräsident George Bush eröffnet es.

Das Albers-Museum

Passend dazu bringt auch die Deutsche Post  - drei Jahre nach der amerikanischen - eine Sonderbriefmarke mit einem Motiv von Josel Albers heraus.

Albers Briefmarke Deutschland

Der Berliner Stadtteil Wedding wird die dritte Partnerstadt Bottrops.

Das Infoheft "Bottrop Stadt der Treffpunkte" wird nach 15 Jahren eingestellt. Versuche mit  Nachfolgeheften schlagen fehl.

Die geplante Ausgrabung der Anlage der Kommende Welheim wird trotz vorheriger Zusage durch die RAG aufgrund technischer Probleme und Altlasten verhindert. Eine systematische Untersuchung der nördlichen Teilfläche wird durch die Anlage eines Lärmschutzwalls vereitelt.


1986
Der Rathausplatz wird verkehrsberuhigt und bekommt einen Granitbrunnen.

Das Vestische Gymnasium zieht nach Kirchhellen in die Gebäude der Hauptschule Kirchhellen. Die Räume an der Horster Straße werden nach und nach zugunsten der ersten Gesamtschule leergezogen.


1987
Papst
Johannes Paul II. besucht auf seiner Deutschland-Reise Bottrop und liest eine Messe auf Prosper-Haniel.

Mit dem ungarischen Veszprem wird zum ersten Mal eine Städtepartnerschaft mit einer osteuropäischen Stadt geschlossen.

Zappendusta: Mit der Schauburg wird das letzte Bottroper Kino geschlossen und abgerissen. Damit verliert die Stadt auch die einzige Theaterspielstätte. Während die Aula des Josef-Albers-Gymnasiums als Ersatzspielort für die Theateraufführungen genutzt werden kann, müssen die Kinogänger bis heute in die Nachbarstädte ausweichen.

Nach Umbau und Restaurierung wird in der ehemaligen Vietorsmühle die Gaststätte Mühle eröffnet. Damit sind alle drei erhalten Mühlen Bottrop wieder einer Nutzung zugeführt.


1988
Ernst Wilczok, Oberbürgermeister der Stadt seit 1949 (mit einer Unterbrechung von nur drei Jahren), stirbt. Der Rat der Stadt beschließt einstimmig, den Rathausplatz in Ernst-Wilczok-Platz umzubenennen.

Zum neuen Oberbürgermeister wählt der Rat Kurt Schmitz (SPD).


1989
Mit Merseburg, damals noch DDR, wird eine weitere Städtepartnerschaft von Bottrop besiegelt.

August Everding erhält die Ehrenbürgerwürde der Stadt Bottrop.


1991
Bottrop tritt beim Challenge-Day gegen die Stadt Erlangen an. Es gilt, möglichst viele Einwohner und Tagesgäste dazu zu bewegen, 15 Minuten Sport zu treiben. Die Franken werden knapp geschlagen.

Westfalen - Franken 1:0

Das ehemalige Gebäude des Heinrich-Heine-Gymnasiums an der Blumenstraße wird zu einem Kulturzentrum umgebaut.

An der Prosperstaße wird eine Gedenktafel am Standtort der ehemaligen Kommende Welheim aufgestellt.


1992
Auf der Halde Prosper-Haniel wird ein Haldenkreuz aufgestellt.

Nach 24 Jahren Pause gibt es erstmalig wieder echtes 'Bottroper Bier': Im alten Straßenbahndepot an der Gladbecker Straße eröffnet das Brauhaus Bottich.


1993
Das Gelände der 1988 stillgelegten Zeche Prosper III wird als IBA-Projekt saniert. Bis 1997 entsteht ein hier ein völlig neuer Stadtteil mit Gewerbegebiet, Gründerzentrum und der Gartenstadt Beckheide.

Prosper-Gelände


1994
Für einen Tag erscheint Bottrop auf den Wetterkarten fast aller Fernsehsender. Grund dafür ist eine Aktion des LK Geschichte am Josef-Albers-Gymnasium, die damit auf das schlechte Image der Stadt aufmerksam machen wollen.

Dietmar Kreul (SPD) wird zum neuen Oberbürgermeister gewählt.


1995
Auf der Halde an der Beckstraße wird der Tetraeder als Landmarke aufgestellt; schon bald hat er das Rathaus als markantestes und bekanntestes Bauwerk abgelöst und wird zum Aushängeschild für Bottrop u.a. als Haltepunkt in der Route der Industriekultur.

Tetraeder

Für ein anderes bekanntes Bottroper Bauwerk schlägt die letzte Stunde: Der Bottroper Hauptbahnhof wird abgerissen. Der gesamte Haltepunkt wird um 500 Meter verlegt, das historische Gebäude ist nicht mehr zu retten.

Der erste hauptamtliche Oberbürgermeister der Stadt wird der bisherige Oberstadtdirektor Ernst Löchelt (SPD). Die kommunale Doppelspitze wird abgeschafft.


1996
Nach Traumlandpark und Bavaria-Film-Park entsteht die Warner Brothers Movie World an gleicher Stelle in Kirchhellen.

Bottrops größte Sportarena, die Dieter-Renz-Halle am Jahnstadion, brennt bis auf die Grundmauern ab.


1997
Im Schatten des Kulturzentrums entsteht das Junge Museum.


1999
August Everding stirbt. Das Kulturzentrum in seinem ehemaligen Gymnasium wird in Kulturzentrum August Everding umbenannt.

Nach dem Prosper III-Gelände wird mit dem Hüls-Gelände im Ortsteil Boy das zweite ehemalige Industriegelände einer neuen Nutzung zugeführt. Nach dem Abruch der Industrieanlagen und der Revitalisierung des Geländes wird neben einem Industriegebiet in mehreren Bauabschnitten bis 2005 auch ein Neubaugebiet geschaffen.

Zum ersten Mal in der Geschichte Bottrops wird das Stadtoberhaupt direkt gewählt: Ernst Löchelt (SPD) wird in seinem Amt als Oberbürgermeister nach einer Stichwahl bestätigt.

Die Stadt Bottrop beantragt erstmalig, die Fläche der ehemaligen Kommende Welheim als Bodendenkmal aufzunehmen.

 

 

21. Jahrhundert

2000
Marc Giradelli, ehemaliger Ski-Weltcupsieger, investiert 110 Mio. DM und erbaut auf der Halde Beckstraße mit dem ACT Alpincenter Europas größte Indoor-Skihalle.


© Stefan Ellermann

Nach der Umgestaltung des Cyriakus-Platzes wird ein neuer Brunnen mit frei schwimmenden Granitkugeln angelegt.


2001
Die Osterfelder Straße, die die Innenstadt durchschneidet, wird rückgebaut. Im Zuge dieser Maßnahme werden der Pferdemarkt und der Altmarkt wieder als echte Plätze angelegt werden. Auch der alte Kiosk aus den 50er Jahren, Nachfolger des 'Wasserschlösschens' auf dem Pferdemarkt, muss einem modernen Pavillon weichen.

Modell der geplanten Strassenführung
© Stadt Bottrop

Der Förderverein Torhaus Haus Hove wird gegründet. Zweck des Vereines ist der Wiederaufbau des ältesten Bauwerks Bottrops, dem Torhaus des Gutes Hove aus dem 15. Jahrhundert. Nach jahrzehntelangem Verfall ist nur noch ein Steinhaufen davon übriggeblieben.

Das Musical Mercartor's Karte, eine Zusammenarbeit der städtischen Musikschule und der Kulturwerkstatt Bottrop hat nach zwei Jahren Vorbereitung im Lichthof der Berufsschule Premiere.

Nach dem Verkauf der städtischen Bernd-Schnock-Halle in Kirchhellen entsteht dort das zweite Bottroper Brauhaus.


2002
Die im letzten Jahr eingerichtete dritte Realschule bekommt den Namen August-Everding-Realschule.

Die rückgebaute und neu gestaltete Osterfelder Straße wird Ende September feierlich eröffnet. Auch der Hansa-Block wird an der Ecke zur Hansastraße modernisiert. Die Kirchhellener Straße und die Schützenstraße werden im Zuge der Maßnahmen teilweise von Durchgangsverkehr abgekoppelt.


2003
Mit der Eröffnung des Café Extrablatt als architektonischer Blickfang auf dem Pferdemarkt und der Aufstellung diverser Spielgeräte für Kinder ist der Rückbau der Osterfelder Straße abgeschlossen.

Die Sparkasse Bottrop feiert ihr 125jähriges Bestehen.

Mit dem Abbruch von Reidick und der Schließung von Zur Schattigen Buche verliert Bottrop zwei weitere Traditionsgaststätten.

Reidick 2003 (c) Stefan Krix

Der Rat der Stadt beschließt den Bau des Jugendkombihauses auf dem ehemaligen Hüls-Gelände. Die Einrichtung, die ab 2005 errichtet wird, beinhaltet ein Jugendhotel, einen offenen Jugendtreff, Werkstätten zur Ausbildung, eine Kneipe und eine Veranstaltungshalle für bis zu 1.200 Personen.


2004

Das Torhaus Haus Hove ist nach vierjähriger Bauzeit wieder aufgebaut und wird der Öffentlichkeit übergeben. Eine Dokumentation der Geschichte der Adelshäuser wird im Folgejahr in den Räumlichkeiten ergänzt.

Torhaus Hove 2004 (c) Stefan Krix

Bei den Kommunalwahlen wird Peter Noetzel (SPD) nach einer Stichwahl zum neuen Oberbürgermeister gewählt.

Mit der Aufstellung des neuen Flächennutzungsplanes stellt die Stadt die Weichen für die nächsten Jahre: Vor allem in Kirchhellen-Mitte und Feldhausen sollen neue Wohngebiete entstehen, damit die Stadt wie bisher ihre konstanten Bevölkerungszahlen halten kann.


2005

Das Jahnstadion, Bottrops größte Sportarena, wird komplett umgebaut. Neben einer Begradigung der Rasenfläche werden neue Tribünen sowie Flutlichtmasten errichtet. Rechtzeitig zu den World Games, die neben Duisburg, Mülheim und Oberhausen auch in Bottrop stattfinden, wird die Arena, in der die Orientierungslaufwettbewerbe starten, fertig. Darüber hinaus werden im Bottroper Saalbau die Billardwettbewerbe ausgetragen.

Der Kölner Künstler Gunther Demnig setzt in Bottrop die ersten Stolpersteine in die Bürgersteige, um an die Bottroper Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. Diese Aktion wird in den nächsten Jahren fortgesetzt.

Stoperstein in Bottrop, September 2005 (c) Stefan Krix

Das Bistum Essen muss sparen: Nach der Reform sollen von den 18 selbständigen katholischen Pfarreien Alt-Bottrops nur noch zwei übrigbleiben: St. Cyriakus und St. Joseph. Alle anderen Pfarreien sollen zu 'Filialkirchen' umgewandelt werden oder gar geschlossen werden.


2006

Das Südring-Center wird eingeweiht. Direkt neben dem Hauptbahnhof ist in kurzer Zeit ein neues Nahversorgungzentrum mit Frischemarkt, Discounter, Fastfood-Filiale, Hotel, Ärztehaus und Discothek entstanden.

Ebenso neu: Das Jugendhotel in Bottrop-Boy, Teil des im Bau befindlichen Jugendkombihaus-Projektes, wird eingeweiht.

Jugendhotel im Oktober 2005 (c) Stefan Krix

Zum 1. April stellen die Ruhr-Nachrichten die Bottroper Ausgabe ein und schließen die Lokalredaktion, genau zum 125. Jahrestag der ersten Ausgabe der Bottroper Volkszeitung, deren offizieller Nachfolger der Lokalteil der Ruhr Nachrichten war. Damit gibt es in Bottrop nur noch eine Tageszeitung. Wenige Monate später wird mit Mittendrin! eine kostenlose Wochenzeitung gestartet, die diesen Mangel lindern soll.

Die Boy verliert fast zeitgleich zwei geschichtsträchtige Bauwerke: Sowohl die alte Johannesschule als auch der Arenberger Hof werden im März abgerissen.

Johannesschule 2006 (c) Stefan Krix Arenberger Hof 2006 (c) Stefan Krix

Das Heinrich-Heine Gymnasium feiert im September sein 100jähriges Bestehen mit einer Reihe von Veranstaltungen.


2007

Mit Gliwice (Gleiwitz) aus Polen wird die sechste Städtepartnerschaft von Bottrop eingegangen. Gleichzeitig werden beim Stadtfest die 40jährige Partnerschaft mit Tourcoing (Frankreich) und die 20jährige Partnerschaft mit Vesprem (Ungarn) gefeiert.

Der Sportplatz von Rhenania Bottrop wird verlegt: Mit dem Abriss der alten Zechenmauer und der Aufschüttung eines Erdwalls auf dem ehemaligen Hölter-Gelände an Arenberg-Fortsetzung wird des Projekt begonnen. Auch sonst schlägt der Abbruchhammer mächtig zu: Die Mühle Stadtmann am Lamperfeld, das Möbelgeschäft Dümpel & Spörlein an der Tourneaustraße, die Eisdiele Gavas auf der Hochstrasse, die ehemalige Redaktion der Ruhr-Nachrichten in der Gerichtsstrasse und der alte Ringofen an der Horster Strasse fallen Neubauten zum Opfer. 'Prominentestes' Opfer ist jedoch das Hallenbad in Stadtmitte, das im Juni nach fast 50 Jahren im Zuge der Umgestaltung des Berliner Platzes weichen muss.

Im Zuge des Tags des offenen Denkmals wird die alte Glocke der Cyriakuskirche erstmals seit Jahrzehnten von Ihrem Denkmalsockel am Rathaus angehoben und auf Ihren Klang gestestet. Das positive Ergebnis widerlegt die Einschätzung von 1921, das die Glocke nicht mehr klingt.

Mit der Eröffnung der Discothek Prisma wird ein weiterer Teil des Jugendkombihaus-Projekts in der Boy fertiggestellt.

Jugendkombihaus im Oktober 2007 (c) Stefan Krix Jugendkombihaus im Oktober 2007 (c) Stefan Krix

Mit St. Paul wird die erste katholische Kirche im Zuge der Reform des Bistums Essen geschlossen.


2008

Die Modernisierung der Innenstadt wird mit Plänen zur Umgestaltung der Fläche des Berliner Platzes und des Geländes rund um das ehemalige Hallenbad fortgesetzt. Gegenüber dem Hansa-Zentrum wird ein Einkaufscenter gebaut; der Berliner Platz wird komplett umgestaltet, aber weiterhin als Marktplatz nutzbar sein. Der Markt findet nun in der Innenstadt statt. Das Hansa-Zentrum selbst wird im Sommer zwangsversteigert und soll ab 2009 kernsaniert werden.

Berliner Platz im Mai 2008 (c) Stefan Krix Berliner Platz im Juli 2008 (c) Stefan Krix

Nach der Umstellung des städtischen Haushalts auf das NKF ist dieser erstmals seit Jahren nicht mehr genehmigungspflichtig.

Das Hallenbad wird an der Parkstrasse im Schatten des Jahnstations und der Dieter-Renz-Halle neugebaut und nach 14 Monaten Bauzeit im November eröffnet.

 Neues Hallenbad im Juli 2008 (c) Stefan Krix


2009

Mit der Eröffnung von Kaufpark und einem Gratiskonzert mit den Gruppen Extrabreit und Luxuslärm wird der Umbau des Berliner Platzes abgeschlossen.

Auch für den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) gibt es konkrete Umbaupläne. Bis Ende 2010 wird er am Berliner Platz komplett neu erstehen. Ab Januar 2009 wird er deswegen für die Umbauphase zum Gleiwitzer Platz verlegt


© Stadt Bottrop

Bei den Kommunalwahlen im Juni gibt es mit Bernd Tischler (SPD) einen neuen Oberbürgermeister. Die Amtszeit künftiger OB's ist durch eine Gesetzesänderung verlängert; auch fällt die Stichwahl weg. Die Sparbeschlüsse des Stadtrates von 2006 in eigener Sache werden nun wirksam: der Rat wird um 4 Sitze, die Bezirksvertretungen um je 2 Sitze verkleinert. Erstmals sind mit SPD, CDU, ÖDP, B90/GRÜNE, DKP, FDP, DIE LINKE und den Freien Wählern nun acht Parteien im Rat der Stadt vertreten.

Bottrop bekommt zusammen mit Mülheim den Zuschlag als Standort einer neuen Fachhochschule. Diese soll ab 2014 auch ein eigenes Gebäude neben der Berufsschule haben.


2010

Bottrop ist als eine der 52 Ruhrgebietstädte Teil der Kulturhauptstadt 2010. Im Juni wird mit der Local Hero Woche der kommunale Höhepunkt der Veranstaltungen in Bottrop sein, die mit dem Quadrat, dem Festival Orgel Plus, den Aufführungen von 'Aida' im Haldentheater, dem Tetraeder bei der Extraschicht, einen neuen Stadtmusical der Musikschule, Ausstellungen wie Ruhri.2010, Fremde im Revier (Franzosen in Bottrop) oder Bernd und Hilla Becher: Bergwerke und Hütten punkten kann.

St. Paul, die erste geschlossene katholische Kirche, soll im Zuge einer Neubebauung abgerissen werden.

Das ehemalige Klärwerk an der Berne in Ebel wird im Zuge der Kulturhaupstadt der Emschergenossenschaft zum Bernepark mit Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeiten umgebaut.

to be continued....