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Die Sage von Burg Vondern

Am 15. Dezember 1921 gab die Stadt Osterfeld eine Notgeldserie mit dem Titel "Die Sage von Burg Vondern" heraus.

Die Vorderseite der Scheine

Es handelt sich hierbei um eine Serie von zehn Scheinen (3 x zu 25 Pfg., 3 x zu 50 Pfg., 3 x zu 75 Pfg. und 1 x zu 100 Pfg) die von Josef Domenicus aus Paderborn gezeichnet wurden und vom Druck- und Verlagshaus Gebrüder Jänecke, Hannover gedruckt wurden.

Die Scheine befinden sich in einem aufklappbaren Papierumschlag, auf dem die Burg Vondern abgebildet ist. Im Innern wird die Sage erzählt, die um 1400 spielt.

Die Scheine 7 und 8 sind in der falschen chronologischen Reihenfolge gedruckt worden; im Papierumschlag wird schon auf diesen Fehler hingewiesen.

 

Papierumschlag der Notgeldserie

Die Sage von Burg Vondern
In Osterfeld erhebt sich inmitten großer Eisenbahn- und Zechenanlagen Burg Vondern. Um 1400 erlebten ihre Bewohner der Sage nach seltsames Geschehen:

 

Wessel von Loe lebte seit dem tragischen Tode seines Ehegemahles mit seinem vierjährigen Töchterchen von aller Welt abgeschlossen. Eines Tages fordert Johann von Galen Einlaß auf beschworene Waffentreue. Da mußte die Zugbrücke fallen. Am trauten Kamin ließ Wessel dem alten Waffengefährten einen Blick in sein gequältes Herz tun.

 

Er erzählte, wie sein Weib im Banne eines teuflischen Zauberers über die Waghalsbrücke gerannt und nach drei Tagen als Leiche aus der Emscher gezogen sei. Nun bangt ihm um das Töchterchen.

 

Johann von Galen, der wohl wußte, daß gegen den Zauber nur Bräute gefreit seien, schlug seinem Freunde die Verlobung klein Jolants mit seinen beiden Söhnen vor. Mit 15 Jahren könne diese dann wählen. Wessel war einverstanden. Der Verlobungsakt wurde geschlossen und von dem greisen Pfarrer von Osterfeld gesegnet.

 

Die Jahre vergingen. Jolant mußte sich zwischen dem starken Johann und dem schmächtigen Dietrich entscheiden. Dem Wunsche der Väter folgend, wählte sie den Stärkeren. Plötzlich gab sie einer tieferen Regung des Herzens nach und warf sich Dietrich an die Brust. Da stieg in Wessel der Verdacht auf, daß seine Tochter schon im Banne des Zauberers läge. Ein Gang über die Zauberbrücke sollte ihre Unschuld dartun.

 

Der Abend kam. Ungesehen verließ Jolant die Burg, um sich durch einen heimlichen Gang über die Waghalsbrücke zu prüfen. Aber eine alte Frau hatte sie beobachtet. Eiligst meldete sie in der Burg das Geschehene. Alles stürzte hinaus, um Jolant zu retten. Ungestört verhallte des greisen Pfarrers Mahnung. Mit gezücktem Schwerte stürzte Dietrich zum Entsetzen aller über die Brücke.

 

Da lag vor ihm hinter einer riesigen Hecke ein leuchtendes Schloss. Wie verlassen schien es. In einem märchenhaft schönen Saale aber tanzten um einen grünen Ritter wohl tausend Jungfrauen. Jolant aber suchte er vergebens. Unerwartet stand er vor einer schweren Tür, die von zwei hünenhaften Knappen bewacht wurde.

 

Mit einem Hieb streckte Dietrich den einen zu Boden und jagte den anderen in die Flucht. Dann sprengte er die Tür. Da lag Jolant in ihrer reinen Schönheit schlafend auf einem Ruhebett. Sanft hob er sie auf, um sie aus der Zauberburg zu tragen. Höhnisch aber trat ihm der grüne Ritter entgegen.

 

Als Dietrich ihn nach kurzem, schweren Streit durchstach, entquoll schwarzes Blut seinem Herzen. Kaum hatte der Kühne mit seiner kostbaren Last den unheimlichen Ort verlassen, da stürzte das Schloß zusammen. Von einer weißen Taube geführt, erreichte Dietrich die Waghalsbrücke.

 

Selbstlos wollte er Jolant seinem Bruder in die Arme legen. Doch dieser wehrte ebenso edeldenkend ab. So bewegte sich ein froher Brautzug gen Vondern.

 

Jolant wurde Dietrichs Weib. Als die Hochzeit mit großem Prunk gefeiert war, legte Johann das Rittergewand ab und baute sich eine Klause.